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Leas Industrial-Apartment

Anfang der Woche war ich bei meiner kreativen und vor allem lieben Ex-Kollegin Lea in den Hamburger Colonnaden zu Besuch und habe eine kleine Home Story geknipst. Seit ein paar Monaten wohnt sie nun da, wo andere flanieren, shoppen, in Cafés abhängen oder vielleicht noch zum Arzt gehen. Dass dort auch ganz „normale“ Leute und nicht nur die Rich Kids einer hanseatischen Familiendynastie wohnen, hätte ich zwar nicht gedacht, aber Lea belehrte mich eines Besseren. Denn sie wohnt mittendrin – in einem tollen Altbau, der um die Jahrhundertwende errichtet wurde. Herein geht es unter den schönen, für die Colonnaden typischen Rundbögen, durch einen hellen Hausflur einige Stockwerke hoch durch ein herrliches Treppenhaus. Oben angekommen, ging es erst einmal durch einen Vorflur, über den man in einige wenige Wohnungen der Hausgemeinschaft gelangt. Leas Wohnung befand sich ganz am Ende des Gangs (das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss) und als sie die Tür öffnete, war ich erst einmal mehr als baff. Eine gefühlt 10 Meter hohe, mit Stuck verzierte, Decke ließ mich wie eine Prinzessin in einem Ballsaal fühlen. Am Ende des langen Flurs blitzte uns auch schon die Sonne und das helle Wohn- und Schlafzimmer entgegen.

Als ich das Zimmer betrat, war ich sprachlos. Ich kam mir ein wenig vor wie in einem Schwarz-Weiß-Streifen. Alles, aber auch wirklich alles, in diesem Raum war entweder Schwarz oder Weiß. Mit ein wenig Blick fürs Detail konnte ich nach einiger Zeit hier und da ein wenig Beige oder Ocker sichten. Ob Möbel, Schuhe, Kleidung oder Deko – Lea überlässt farbtechnisch nichts dem Zufall. Alles, was auch nur ein wenig nach Farbe schreit, wird aus ihrer Wohnung verbannt. Genau wie die Blüten-Tapete aus Omas Zeiten, die vor Leas Renovierungsarbeiten wohl schon seit einigen Jahrzehnten die hohen Wände des Zimmers zierten. Kurzerhand entschloss sich Lea diese abzureißen, unschöne Flecken mit ein wenig weißer Farbe zu spachteln und so einen echten Industrial-Look im eigentlich so kitschig-romantischen Altbau zu zaubern. Und das ist ihr mehr als gelungen. Durch die Befreiung der Wände von den alten Tapeten erhält der Raum erst ein Gesicht. Er erzählt eine Geschichte und wirkt trotz seiner Rohheit authentisch und einladend.

Auch der rote Teppich, der ein wenig nach Kino-Foyer anmutete musste einem anthrazitfarbenen Fußboden weichen.

Lea ist aber nicht nur absoluter Schwarz-Weiß-Fan, sondern auch ein echter Minimalist. Viel Chi-Chi und Klimbim sucht man bei ihr vergeblich. Nahezu alles in ihrer Wohnung erfüllt einen Zweck, unnütze Deko kommt, anders als bei mir, gar nicht in die (Einkaufs-)Tüte. Aber ist es nicht schwer, sich nur auf ein „Farb-Konzept“ aus zwei sogenannten Nicht-Farben zu beschränken, wollte ich wissen. Schließlich bietet die Welt da draußen doch so viel schöne Deko, Möbel und Textilien mit aufregenden Mustern und tollen Farben. Wie kann man nur an einem pastellfarbenen Samtstuhl mit Messingbeinen vobeilaufen, ohne sich Hals über Kopf zu verlieben? Für mich unbegreiflich. Für Lea selbstverständlich. Einerseits gefallen ihr Farben nicht so besonders, andererseits findet sie, dass die Beschränkung auf Schwarz-Weiß vieles im Leben leichter macht. Eine Wohnung, die in Schwarz und Weiß gehalten ist, wirkt unabhängig von dem, was in ihr steht, gleich viel durchdachter, erwachsener und designter. Wohl wahr! Alles passt zusammen und lässt sich untereinander perfekt miteinander kombinieren. Und das gilt nicht nur für Interieur, sonder auch für Mode. Recht hat sie, wenn ich da an meinen Kleiderschrank denke. Dort tummeln sich rosa-Plisseeröcke neben bunt bestickten Army-Coats, blau-weiß geblümte Playsuits hängen neben wild-gemusterten Blusen. Alles für sich schön, keine Frage. Aber kombiniert oftmals eine absolute Katastrophe, die einem beim Griff zu Schwarz-Weiß ganz sicher erspart bleibt. Nicht umsonst heißt unser aller Kombi-Talent „Das kleine Schwarze.“ Einzig und allein bei den Geschirrtüchern hat Leas Liebe für Schwarz-Weiß das Leben nicht leichter, sondern komplizierter gemacht. Die klassisch-karierten gab es nämlich in allen Farben – nur nicht in Schwarz-Weiß. Bis die gefunden waren, gab Lea die Hoffnung schon fast auf.

Auch wenn Leas Wohnung so ganz anders aussieht als meine, habe ich mich darin direkt wohlgefühlt und nicht nur das: sie hat mich zum Nachdenken gebracht. Brauchen wir wirklich immer so viel? Kann es unser Leben nicht um einiges leichter machen, wenn wir uns auf wenig beschränken? Ich denke darüber nach, wenn ich das nächste Mal am Schaufenster vom Minimarkt, Die Pampi oder Frau Hansen vorbeilaufe. Ob ich es schaffen werde, ein wenig Genügsamkeit und Minimalismus bei mir einziehen zu lassen. Ich berichte!

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